Die Macht der Geschäftsmodelle

aktualisiert:
November 7, 2017
Business Design

Ein Geschäftsmodell, was ist das überhaupt? Jedem in der Geschäftswelt ist der Begriff Geschäftsmodell geläufig. In den meisten Fällen wird darunter verstanden, dass ein Unternehmen tragfähig ist und Gewinn erwirtschaftet bzw. das Potential dafür besteht.

Aber, haben wir alle das gleiche Verständnis, wenn wir über Geschäftsmodelle sprechen?

Ich habe nicht diesen Eindruck.

Spricht man mit Vertretern der IT-Industrie, schwingt das Thema „neue Geschäftsmodelle“ gleich mit einem Projekt der Digitalen Transformation. Es wird behauptet, neue Geschäftsmodelle entstehen durch Digitalisierung.

Es ist jedoch eher anders herum. Neue Geschäftsmodelle brauchen Digitalisierung, um diese gezielt, nachhaltig und effizient umzusetzen. Wenn das nicht beachtet wird, dann haben wir erstmal ein klassisches IT-Projekt unter dem Deckmantel einer „digitalen Transformation“. Neue Geschäftsmodelle entstehen dadurch nicht – diese müssen noch von Menschen konzipiert und operationalisiert werden.

Was heißt das nun für uns, wenn wir neue Geschäftsmodelle entwickeln möchten bzw. müssen? Wie geht das? Was ist zu beachten? Was sind die Best Practices?

Die Meisten von uns haben nicht den Überblick über die neuen Möglichkeiten und Werkzeuge, mit welchen neue Geschäftsmodelle entwickelt, gebaut und realisieren werden können. Das ist durchaus ein Problem, wenn Unternehmen eine Digitale Geschäftstransformation realisieren mögen bzw. müssen.

Kluge Köpfe behaupten, dass die Kompetenz der Geschäftsmodellierung schon jetzt eine Kern-Leadership-Kompetenz ist, um das Überleben des eigenen Unternehmens im digitalen Zeitalter zu sichern.

An dieser Stelle kann ich die Gemüter etwas beruhigen. Geschäftsmodell-Denken als eine Form der Strategie-Entwicklung ist noch eine sehr junge Disziplin, welche mit dem Erscheinen des Buches „Business Model Generation“ im Jahr 2009 durch eine Doktorarbeit von Alexander Osterwalder entstanden ist und erstmal veröffentlicht wurde. Mit diesem Buch sind parallel auch neue Methoden und Techniken wie Lean-Start-Up, Canvasing, Blue Ocean Strategie, MVP/RAT, Design Thinking, Customer Journey Mapping und Customer-Success-Management (CSM=CRM + Customer Experience + intelligentes Customer/Marketing Engagement) entstanden und stetig weiterentwickelt worden. Heute werden diese Begrifflichkeiten unter dem Begriff Business-Design verwendet und erweitern damit stetig den Blumenstrauß der Geschäftsmodellierung.

Die eine oder andere Stimme würde jetzt behaupten, es gibt keinen Grund zur Panik. Das alles ist weniger als 8 Jahre her und etablierte Unternehmen sind mit ihren bisherigen Strategie-Modellen immer noch erfolgreich genug. Hierbei ist zu bedenken, dass 8 Jahre in der Zeitrechnung der Digitalisierung eine lange Zeit sein kann. In dieser Zeit sind weltweit agierende Unternehmen, wie AirBnB, UBER, Tesla, etc. entstanden und groß geworden. In den letzten Jahren sehen wir zunehmende Disruption in klassischen Industrien, wie Healthcare, Automotive, Finance, etc.;  Durch gut vorbereitete und schnell wachsende Start-Ups, welche sich Geschäftsmodellierung-Kompetenzen zu eigen machen, um die Schwachstellen des Wettbewerbs zu identifizieren und dort gezielt und nachhaltig die Nischen zu besetzen.  Bei vielen Geschäftsmodellen sehen wir auch Ansätze von Geschäftsmodell-Innovation: D.h. es werden bestehende und vorhandene Ressourcen im Übermaß intelligent zusammengeschaltet, neue Wertangebote kreiert und global angeboten – dies benötigt keine hohe Kapitalbindung und ermöglicht einen spannenden Cash-Flow mit potentiellen Kunden ohne lange Produkt-Entwicklungszeiten bzw. hohe –kosten.

Ein Unternehmen mit Hilfe von klassischen Change-Management-Methoden und Praktiken zu verändern ist oft zu langsam, zu teuer, zu wenig erfolgreich und hat negative Konsequenzen auf die Unternehmens-Kultur. Aus eigener Erfahrung funktioniert es nicht. Digitale Geschäftstransformation ist ebenfalls ein Change-Management Projekt, allerdings braucht es hierbei auch neue Methoden, Modelle, Tools und Best Practices. Der Change hierbei ist bezeichnend als: agil, lean, erfolgs- und ergebnisorientiert, basierend auf Quick-Wins und das wichtigste zuletzt: Im Kern ist es eine digitale Geschäftsmodell-Transformation.

Betrachtet man die digitale Geschäftsmodell-Transformation / Geschäftsmodellierung in den Phasen: (1) Analyse, (2) Optimierung, (3) Entwicklung, (4) Operationalisierung und (5) Innovation sollte eine gezielte und nachhaltige Transformation ohne größere Herausforderung möglich sein.

Meine Erfahrung aus den letzten 6 Jahren Management-Beratung im Bereich von digitaler Geschäftsmodell-Transformation ist, dass durch den Einsatz von Geschäftsmodell-Denken, Entwicklung und Überführung in operative IT-Systeme, Unternehmen ihr Alleinstellungsmerkmal (USPs und Unfair Advantage) als Wettbewerbsvorteil gezielt und nachhaltig entwickeln und systematisch in Marketing, Vertrieb, Service und Delivery (in der gesamten Kundenwertschöpfung) umsetzen können.

Eine digitale Geschäftsmodell-Operationalisierung bedeutet digitale Transformation von bestehenden und neuen Kunden- und Unternehmensprozessen auf Basis von CSM-Systemen, in Kombination mit BigData- und Machine-Learning-Algorithmen sowie Künstlicher Intelligenz. 

Die Unternehmenssteuerung erfährt damit ihre digitale Transformation und wird dadurch erst richtig digital steuerbar – alles auf Basis der Kompetenz des Geschäftsmodell-Denkens.

Richard Diks
Success Advisor
Richard Diks ist ein Success Consultant, Trainer, Coach und Interims-Manager mit den Schwerpunkten Digitale Geschäftsmodelle, Digitale Geschäftstransformation und Kundenerfolgs-Strategien. Die erfolgreiche Arbeit mit Führungskräften in mittelständischen Unternehmen, IT- & Innovations-Bereichen im Bezug zu Vertrieb und Marketing sowie Start-Ups ist ihm wichtig. Richard Diks ist Dipl.Ing. im Bereich Informationstechnik und hat einen Executive MBA in Business Engineering von der HSG, St. Gallen. Er hat knapp 20 Jahre Berufserfahrung, von denen er seit 6 Jahren freiberuflicher Strategie-Berater ist.